Instandsetzung Müllbunker AVA

Die Abfallverwertung Augsburg GmbH (AVA) stellt mit ihrem Abfallheizkraftwerk die Entsorgung von Abfällen für eine Million Menschen in der Stadt Augsburg und den Landkreisen Augsburg, Aichach-Friedberg, Donau-Ries, Dillingen und Landsberg sicher.

Allein im Jahr 2015 wurde eine Menge von 238.224 Tonnen Haus- und Gewerbeabfällen angeliefert und thermisch behandelt.

Nach rund 22 Jahren Betrieb wurde im Boden sowie in Wandbereichen des Müllbunkers – der eine Kapazität von 10.000 m³ aufweist – eine fortschreitende Carbonatisierung festgestellt. Zur Vermeidung von Korrosionsschäden an der Bewehrung des Müllbunkers, hat sich die AVA zu einer vorbeugenden Instandsetzung der Betonoberflächen entschlossen.

Allgemeines

Das 1994 errichtete Gebäude, in dem der Müllbunker untergebracht ist, besteht aus einer großen, fast den gesamten Komplex der Anlage einnehmenden Halle, die zur Aufnahme und Einlagerung des Mülls dient.

Bei dem zu sanierenden Gebäudeteil handelt es sich um ein überwiegend monolithisch hergestelltes Stahlbetonbauwerk mit Grundrissabmessungen von ca. 52,00 m x 15,00 m und einer Höhe von ca. 40,00 m. Verschiedene Kranbahnen, Decken und Arbeitsbühnen durchziehen das Gebäude.

Gegründet ist das Bauwerk auf einer elastisch gebetteten Fundamentplatte. Die Gebäudestabilität wird in Querrichtung durch Rahmen, in Längsrichtung durch Stahlbetonwände erzielt.

Die rückseitige Begrenzung des Müllbunkers bildet das Kesselhaus mit einer selbsttragenden Stahlrahmenkonstruktion. Vorderseitig befindet sich die Entladeplattform mit Zu- und Abfahrtsrampe. Die Randunterzüge der Plattform lagern auf den Rahmenstützen des Müllbunkers auf.

Der Müllbunker an sich befindet sich auf der Nordseite des Gebäudes und bildet dessen Kernstück. Der Müll wird an überdachten Abkippstellen in den Bunker gekippt und von dort mit zwei Müllkränen, die wechselseitig im Einsatz sind, über die Beschickungstrichter den drei Verbrennungsöfen zugeführt. Im Abkippbereich sind Teile der Bunker-innenwand durch eine Verschleißschicht aus Stahlblech geschützt.

Geplante Sanierungsmaßnahmen

Bereits in früheren Untersuchungen war ein überhöhter Eintrag an Chloriden im Beton des Bunkers festgestellt worden. Geplant war daher der Abtrag von Beton an Wänden und Boden des Müllbunkers mittels HDW in einer Stärke von 4-6 cm mit nachfolgender Reprofilierung durch Spritzbeton. Danach wurde die ursprüngliche Oberfläche durch PCC-Spachtelung wiederhergestellt.

 

Besondere Anforderungen

Zeit

Die Ausschreibung der Maßnahme datierte bereits aus dem Jahr 2014. Die Herausforderung besteht darin, dass während der Sanierungszeit der Betrieb der Anlagen vollständig aufrechterhalten werden muss. Deshalb wurde die Maßnahme in drei Bauabschnitte, die direkt nacheinander abgewickelt werden, aufgeteilt. Der Müllbunker kann somit dauerhaft bewirtschaftet werden. Da seine Kapazität aber durch die Sanierungsmaßnahmen erheblich eingeschränkt wird, muss diese mit einem sehr aufwändigen Logistikkonzept aufgefangen werden, was bedeutet, dass die Abfälle bedarfsgerecht (Just-in-time) angeliefert werden müssen. Die Sanierungsdauer beträgt voraussichtlich rund dreieinhalb Monate.

Zugang

Der gesamte Müllbunker hat insgesamt 12 Müllrutschen, über die die Abfälle in den Bunker gelangen. Pro Bauabschnitt sind daher vier Müllrutschen betroffen. Von diesen vier Rutschen wird jeweils eine saniert, die zweite ist durch Ver- und Entsorgungsleitungen besetzt und die dritte dient als Notausgang. Somit bleibt lediglich jeweils eine Rutsche übrig, die als Zugang für Personal und Material genutzt werden kann. Das komplette Material, alle Schläuche, Maschinen und zu verarbeitenden Produkte werden also über dieses „Nadelöhr“ einer genau festgelegten Einbringöffnung auf die Baustelle geschleust.

Schutzmaßnahmen

Für jeden der drei Bauabschnitte muss der zu bearbeitende Bereich des Müllbunkers durch eine 16 Meter hohe Schutzwand mit Schutzdach abgetrennt werden. Um dies zu ermöglichen, ist zu Beginn eines jeden Bauabschnitts zunächst die Beräumung der Bodenflächen des Müllbunkers vom Müll erforderlich. Da der Müllkran selbst die Bodenflächen nicht komplett erreichen kann, geschieht dies mit Hilfe von Minibaggern. Eine besondere Schwierigkeit liegt hierbei darin, dass gleichzeitig an der der Sanierungsseite gegenüberliegenden Seite des Bunkers der Abfall zu einem Berg weiter aufgehäuft wird, um die Beschickung der Verbrennungsöfen stetig sicherzustellen. Erst nach der Errichtung der Schutzeinhausung und der Arbeitsgerüste kann mit der Durchführung der eigentlichen Sanierungsarbeiten begonnen werden.

Da der Boden des Müllbunkers ebenfalls zu bearbeiten ist, müssen auch die Fußpunkte der Schutzeinhausung und der Arbeitsgerüste saniert werden, auf denen die gesamte Konstruktion montiert ist. Um diese Flächen sanieren zu können, müssen 120 Tonnen filigran angehoben werden.

Bei der Durchführung aller genannten Arbeiten sind extrem hohe Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz der im 24-Stunden-Schichtbetrieb eingesetzten Mitarbeiter einzuhalten.

Fazit - Das besondere Konzept

Da für den Auftraggeber der zeitliche und damit unmittelbar zusammenhängende, enorme logistische Aspekt von großer Bedeutung war, lag schon bei Auftragserteilung unser gemeinsames Ziel darin, eine Sanierungsmethode zu finden, bei der der Abtrag möglichst schnell, aber dennoch effektiv und gründlich vorgenommen werden kann. Zusammen mit unserer Partner-Gerüstbaufirma ist es uns gelungen, ein Konzept zu entwickeln, bei dem die Sanierung des gesamten Bunkers innerhalb von knapp dreieinhalb Monaten möglich ist.

Kernstück des Konzepts ist hierbei erstmals die neueste technische Errungenschaft der Hydro-Tech GmbH im Bereich der HDW-Technik. Es handelt sich um einen kleinen HDW-Roboter, der an eine Gerüstwand montiert wird und dort durch ferngesteuertes Auf- und Abfahren an den zu bearbeitenden Flächen den erforderlichen Betonabtrag punkt- und tiefengenau erledigt. Durch den Einsatz dieses Gerätes kann erstmals ein Betonabtrag erreicht werden, der genauso präzise ist, wie der Abtrag per Handlanze. Da aber gleichzeitig die Flächenleistung um ein Vielfaches höher ist, ergibt sich eine gewaltige Zeitersparnis.

Ein weiterer Vorteil ist, dass durch den maschinellen Abtrag ein sehr regelmäßiges Abtragsbild erzielt werden kann, das optimal für die nachfolgende Bearbeitung mit Spritzbeton geeignet ist. Durch den Einsatz modernster Technik gepaart mit einem hochmotivierten Mitarbeiterteam ist es uns gelungen, den ersten Bauabschnitt des Sanierungsprojekts exakt innerhalb der geplanten 30 Tage fertigzustellen und seiner Bestimmung zu übergeben.